Das Eichhörnchen und die Kohlmeise

Das Eichhörnchen und die Kohlmeise

Es war ein Wintermorgen, als sich die Kohlmeise
und das Eichhörnchen trafen.
Sie waren seit Jahren befreundet
und hatten schon oft darüber gesprochen,
wie eine Welt ausschauen würde,
in der sie gerne leben wollten.
Häufig endeten diese Gespräche damit,
dass das Eichhörnchen resigniert seufzte:
„Aber was kann ich denn schon bewirken?
Ich bin nur ein einfaches Eichhörnchen!“
Als an diesem Tag das Gespräch auf dieses Thema kam,
sagte die Kohlmeise:

„Gestern habe ich etwas erlebt, das ich dir erzählen möchte.
Es war früh am Morgen, als es zu schneien begann.
Es war windstill und die Flocken fielen in tiefem Schweigen,
dicht an dicht.
Ich saß unter dem Vordach meines Vogelhäuschens und beobachtete einen Ast des Baumes gegenüber,
auf dem sich Schneeflocke für Schneeflocke niedersetzte.
Da ich gerade nichts Besseres zu tun hatte, begann ich,
die Schneeflocken zu zählen,
die sich auf dem Ast niederließen
(vielleicht sollte ich erwähnen, dass Kohlmeisen wunderbar mit Zahlen umgehen können?)
Stunde um Stunde verging und als es begann zu dämmern, hatten sich viele Millionen Schneeflocken auf den Ast gesetzt,
der sich unter der Schneelast bog.
Und dann geschah es:
Es war genau die 11 Millionen 387 Tausend und 511te Schneeflocke auf dem Ast, als sich die

11 Millionen 387 Tausend und 512te Schneeflocke in tiefer Stille näherte.
Sie wog exakt etwas weniger als ein Nichts.
Und als sie sich auf dem Ast niederließ - da brach er."

Die Kohlmeise und das Eichhörnchen schwiegen für eine Weile. Dann sagte das Eichhörnchen:
„Vermutlich wusste diese eine Schneeflocke vorher gar nicht, was sie bewirken würde."
Die Kohlmeise nickte bedächtig.

(Autor unbekannt)

Diese wunderbare Geschichte, deren Autor leider unbekannt ist, hat mich zu diesem Aquarell angeregt :-)

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